Im gegenwärtigen Moment sein

Es klingt super einfach ist aber eines der schwierigsten Dinge überhaupt: ganz im Moment zu sein.

Eckehard Tolle hat ein ganzes Buch darüber geschrieben.

 

Doch mehr als aus Büchern hat mich das Leben gelehrt, den gegenwärtigen Moment nicht zu verpassen.

Mein Freund Dieter half mir im Stall und wollte nur kurz zu seinen Eltern nach Schwäbisch Hall fahren, um dort einige Sachen zu holen. Ihr ahnt es bereits: er kam nie mehr zurück und ist in ihrem Haus tödlich verunglückt. Er hatte noch viele Pläne, nach Italien ziehen, sich ein noch größeres Riva Boot kaufen...

Es muss aus seiner Sicht eine Tragödie gewesen sein, noch so viele Pläne und so wenig davon umgesetzt (er war erst 58 gewesen).

Neben der Trauer und dem ganzen Gefühlswust, durch den man bei dem Verlust eines sehr nahestehenden Menschen gegen muss, habe ich extrem viel gelernt: nichts auf morgen verschieben, denn es kann sein, dass es kein Morgen mehr geben wird. Tue was du wirklich tun willst genau jetzt. Und wenn du es nicht in der Gänze tun kannst, dann fang an. Es gibt keine Entschuldigung, außer deine Angst!

 

Angst ist ein echt schlechter Berater für dich. Sie will dich klein halten, da halten, wo du bist, sie hat gar kein Verständnis für deine großen Pläne und sie ist die größte Gegnerin von deinem Glück.

 

Von daher kämpfe mit ihr wie mit einem richtigen Feind. Welches Recht hat sie, dich derart zu manipulieren. Aus welchen Gründen auch immer, es bringt aus meiner Erfahrung auch wenig, wenn du ewig in deiner Vergangenheit eruierst, warum du dein Leben heute nicht auf die Reihe bringst. Es bedeutet: du machst vergangene Ereignisse, deine Eltern, deine Ex-Beziehungen etc. verantwortlich dafür, dass es heutzutage nicht so läuft, wie du es gerne möchtest.

Aber vereinfacht heißt es: du übernimmst keine Verantwortung für dich und dein Leben. Klar kann man seine Herkunft und Vergangenheit studieren und ein Stück weit herausbekommen, warum man heute so ist, wie man ist.

 

Das hab ich auch getan und es war gut. So wurde mir klar, dass ich im Grunde schon immer in einem Arbeitsrhythmus gelebt habe. Meine Mutter hat gleich nach meiner Entbindung wieder in der gemeinsamen zahnärztlichen Praxis mit meinem Vater gearbeitet und ich stand auf dem Balkon und habe das Geräusch des Bohrers und die antiseptischen Gerüche der Praxis wahrgenommen.

 

Stillen hätte nicht in den Tagesablauf meiner Mutter mit einer genau festgelegten Mittagspause gepasst. Von daher wurde ich nicht gestillt und auf die Arbeitszeiten meiner Eltern getaktet. Für mich ist arbeiten so normal wie alles andere im Leben und es wäre mir nie eingefallen, mich von einem Mann unterhalten zu lassen.

Ich will arbeiten und es macht mir riesigen Spaß!

Aber zurück zum „Im Moment sein“. Du kannst dir wie gesagt anschauen, warum bestimmte Dinge in deinem Leben so und so sind. Mache es nicht zu lange und zuviel. Du läufst Gefahr, darin hängen zu bleiben. Das wäre schade. Du verpasst dein Leben.

Dieses findet immer nur heute, jetzt in diesem Moment statt. Wie bei mir. Im Café sitzend, die Geräusche der anderen um mich herum. Es ist Michelstadt und nicht Paris, es ist das Jahr 2019 und nicht... und ich bin nicht Simone de Beauvois und gegenüber sitzt auch nicht Satre. Es ist trotzdem cool und viel schöner als alleine zuhause zu schreiben. Irgendwie inspiriert es, in einem Cafè zu schreiben. Man schreibt ja auch für die Menschen da draußen, die es interessiert und nicht nur für sich selbst, weil es einen derart erfüllt.

Und jetzt kommt noch vom Nebentisch noch ein Geburtstags Ständchen von Herta. Echt süß. Das hätte ich am Schreibtisch in meinem Zimmer nie erlebt.

 

Viele Menschen sind mit ihren Gedanken in der Vergangenheit. Grübeln darüber nach, was hätte anders laufen sollen. Fühlen sich schuldig für das, was sie getan oder nicht getan haben.

Die Vergangenheit ist unwiederbringlich verloren. Wir können nichts mehr verändern. Von daher ist jegliche Grübelei darüber müßig. Was wir verändern können ist die Zukunft. Hierzu sollten wir so gut als möglich im gegenwärtigen Moment sein.

Es Bedarf einiger Übung, damit dies geschieht.

 

Mit Pferden zusammen zu sein ist eine der leichtesten Möglichkeiten, in den gegenwärtigen Moment zu kommen. Pferde sind immer im gegenwärtigen Moment. Ein Pferd denkt niemals darüber nach, was ihm geschehen ist, was in seinem Leben falsch gelaufen ist, auch wenn man bestimmte Handlungen bei einem misshandelten Pferd triggern kann.

 

Pferde müssen um zu überleben ganz im gegenwärtigen Moment sein.

Wenn man viel mit Pferden zusammen ist, passiert mit einem selbst auch etwas Ähnliches. Man erahnt den Traktor, der um die Ecke kommt – die Kinder, die angerannt kommen. Man ist als Mensch stark mit dem Pferd verbunden und möchte auch der möglichen Reaktion vorbeugen. Dies kann vor allem beim Reiten lebensrettend sein.

 

Viele Unfälle geschehen m.E., weil der/die ReiterIn nicht in der Gegenwart sind, nicht eins mit der Wahrnehmung des Pferdes und das Pferd mehr oder weniger als Sportgerät betrachtet wird.